Donnerstag, 1. Oktober 2009

In der DDR-Psychiatrie "behandelt"

Netzbett, Schreie, Demütigungen, Tabletten, Spritzen, Elektroschocks und „Kartons in Stücke reissen” als Beschäftigung. Das alles habe ich, Lothar Tiedtke von Koß, in der Zeit vom 12. Oktober 1981 bis 19. März 1982 in der Stralsunder Forensik erlebt. Ich kann belegen, dass man mich dort zwangsweise und ohne richterlichen Beschluss untergebracht hatte. Für mich steht nach Einsicht in die Stasiakten fest: Das verdanke ich einigen Leuten aus meinem engsten Kreis, die sich als Stasi-Handlanger anwerben ließen. Ich bin mir sicher, dass mein „Fernbleiben“ zur Volkskammerwahl am 14. Juni 1981 und mein Protest wegen der Ablehnung eines Seefahrtsbuches die Auslöser für eine MfS Zersetzungsmaßnahme waren. Seit 1981 ging es für mich beruflich bergab. Vom Maschinenbauer der Volkswerft Stralsund zum Hilfsarbeiter im Heizungskeller. Sogar meinen LKW-Führerschein musste ich abgeben.

Erst 1992 beschäftigte sich eine Stralsunder Ehrenkommission mit den Verquickungen von MfS und Psychiatrie. Die Aufarbeitung soll aus „politischen Gründen” gescheitert sein. Darüber wüsste ich gerne mehr. Vielleicht gibt es Menschen, die dazu was sagen können.

Auch noch heute plage ich mich mit diesen traumatischen Erlebnissen herum. Dass mir meine vollständige Rehabilitation für das erlittene Unrecht in der DDR bislang versagt wurde, hängt auch mit der nostalgischen Verklärung der DDR zusammen. Mit meiner Webseite möchte ich mit dazu beitragen, dass die DDR-Geschichte im Allgemeinen sowie die Verquickungen von MfS und Psychiatrie im Besonderen endlich kritisch aufgearbeitet wird. Ich rufe alle Zeitzeugen auf, die in Stralsund und anderswo aus politischen Gründen in der Psychiatrie „behandelt“ wurden, hier über ihr Schicksal zu berichten. Auch Kommentare und Nachrichten werden veröffentlicht.
Ihr Lothar Tiedtke von Koß

PS: Als einer der ersten veröffentlichte Fotoreporter Roland Hartig aus Rostock meine Erfahrungen mit der DDR-Psychiatrie und dem MfS unter dem Titel Netzbett-Trauma nach Wahlverweigerung. Dort sind auch Fotodokumente hinterlegt.

Kommentare:

  1. Sehr geehrter Herr Tiedtke,die Kenntnis Ihres persönlichen Schicksal bewegt mich sehr.In der tat ist es erschreckend welche Gäultaten der entwickelte Sozialismus verursachte,welche persönlichen Ungerechtigkeiten er auslöste und welche Lebensperspektiven er zerstörte umso betroffener der Umstand,dass mit der friedlichen Revolution und somit der Wende die Hoffnung auf Rehabilitation,die konstruktive und sachgerechte Aufarbeitung,die Ächtung und Verurteilung des diktatorischen elitären DDR-Regime und somit Ihres Schiksals sich nicht erfüllte und nicht zuletzt der persönliche Leidensweg auch Heute nicht beendet sein kann.Das was Ihnen widerfahren ist, kann durch NICHTS geheilt werden.Das Dilemma und das scheitern der politischen Systeme müssen Sie nach wie vor ertragen. " Die sozialistische Psychiatrie-die Nische als Sammelbecken des narrenfreien Experimentieren für den sozialistischen Frieden" Ich wünsche Ihnen persönlich aber auch Ihrer Familie auch weiterhin Kraft Ihr Schiksal öffentlich zu machen.Über die Möglichkeit des öffentlichen Bewustsein Ihres Leidensweges die Hoffnung nicht aufzugeben Rehabilitation zu erfahren.Ich wünsche Ihnen aktive Unterstützer und ferlässliche Förderer, welche Sie auf diesem Weg auch weiterhin begleiten.

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  2. Sehr geehrter Herr Tiedtke,die Kenntnisnahme Ihres persönlichen Schiksal bewegt mich sehr. In der tat ist es erschreckend welche Gräultaten der entwikelte Sozialismus verursachte,welche persönlichen Ungerechtigkeiten er auslöste und welche Lebenperspektiven er zerstörte umso betroffener der umstand, dass mit der friedlichen Revolution vor 20 Jahren und somit der Wende die Hoffnung auf Rehabilitation,die konstruktive uns sachgerechte Aufarbeitung,die Ächtung und Verurteilung des diktatorischen elitären DDR-Regime und somit Ihres Schiksals sich nicht erfüllte und nicht zu letzt ,der persönliche Leidensweg auch Heute immer noch nicht beendet sein kann .Das was Ihnen wiederfahren ist kann durch NICHTS geheilt werden.Das Dilemma und das scheitern der politischen Systeme müssen Sie nach wie vor ertragen.
    "Die sozialistische Psychiatrie-die Nische als Sammelbecken des narrenfreien Experimentieren für den sozialistischen Frieden"
    Ich wünsche Ihnen persönlich aber auch Ihrer Familie auch weiterhin Kraft ihr Schiksal öffentlich zu machen.Über die Möglichkeit des öffentlichen Bewusstsein Ihres Leidensweges die Hoffnung nicht aufzugeben Rehabilitation zu erfahren.Ich wünsche Ihnen aktive unterstützer und ferlässliche Förderer,welche Sie auf diesem Weg auch weiterhin begleiten.Tino Borchert.

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  3. Sehr geehrter Herr von Koß,
    ich kann Ihre Erfahrungen aus persönlichen Erleben detailiert nur bestätigen. Unter Ihrer im Profil angegebenen e-Mail Adresse habe ich eine Nachricht gesandt, denn zumindest zu jetzigen Zeitpunkt möchte ich meine Erfahrungen (noch) nicht veröffentlichen. Begonnen habe ich damit allerdings schon, gemäß einer allgemeinen Erfahrung: Erst einmal beginnen, hab ich das geschafft, nur nicht lockerlassen, dann wächst auch die Kraft.. ( www.mydays.kilu.de )
    Allerdings muss ich derzeit noch schützenswerte Interessen einer anderen Person höher bewerten, als meine berechtigten Forderungen. Ich hoffe, meine Mail hat Sie erreicht und würde mich über eine Rückmeldung freuen.
    MfG
    Puschelnori

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  4. Sehr geehrter Herr von Koß,

    auch Ihnen möchte ich auf diesem Wege ein gesundes neues Jahr und Erfolg bei Ihren Aktivitäten wünschen. Zu meinem großen Bedauern erhielt ich von Ihnen noch keine Antwort auf meine Mail. Oder, wie es in letzter Zeit bei genau diesem Postfach häufiger passiert, sie ist „verschollen“. Ich hoffe für Sie und weitere mit weißem Kittel Gefolterte, dass Sie Ihren begonnenen Weg weiterführen. Verständlich ist es leider, wenn Sie als Angestellter im Staatsdienst gerade bei diesem tabuisierten Thema, wo Opfer dieser Weißkittel auch heute kriminalisiert werden, in Ihrer anfänglichen Euphorie stark gehemmt sind. Ich würde mich trotzdem sehr über eine private Nachricht unter dabitzke+++gmx.de freuen.
    Alles erdenklich Gute für Sie
    Puschelnori

    Es kommt Alles zurück,
    das Gute, das Böse,
    das Pech und das Glück
    Es kommt Alles zurück

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  5. Auch ich war in der DDR vier Jahre in der Psychiatrie Waldheim eingesperrt.Darum weiss ich zu genau, wie dort Leute gefoltert wurden. Doch es will niemand etwas davon wissen, denn ich könnte so viel darüber berichten
    Man kann nur mit Leute darüber reden die das selbe wie ich erlebt haben.Bis heute habe ich keine Hilfe erfahren, um dieses zu verarbeiten. Viele Grüße Jutta

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    1. Ja Waldheim war schlimm besonders die ISO-Käfige und die Ärzte.
      Heute will von den Behörden keiner ran an die Vergangenheit
      Gruß Viktor

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    2. Ich war von 1983 - 1990 in Waldheim.(Postfach 23) und auch zeitweise in unterschiedlichen Abständen in der Psychatrie (Umerziehung)

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  6. Hallo, auf welcher Station waren Sie im Krankenhaus West?
    Kennen Sie die Station p4 , besonders den pfleger uwe behling? Was war das für ein Mensch? Was hat er auf dieser Station den Patienten angetan?Er ist leider mein Vater, zu dem ich schon lange keinen Kontakt mehr habe. Ich hoffe sehr, dass man ihn für seine Taten noch zur Rechenschaft ziehen kann.

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  7. Hallo Lothar, 1981 haben wir zusammen trainiert für den stärksten Lehrling der DDR.
    Du und Dein Bruder waren meine absoluten Vorbilder. Unsere Eltern kannten sich auch privat.
    Ich kann mich noch sehr gut erinnern, dass du mir immer sehr gute Tips im Sport gegeben hast.
    Die letzten Begegnung mit dir zeigten das etwas nicht stimmte. Alle, auch Dein Bruder haben mir nichts sagen wollen.

    Würde mich freuen, wenn du Kontakt zu mir aufnimmst :) siehe Post von Lieselotte bei Facebook.

    LG Ives

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